Newsletter des Nordfriisk Instituut
zur friesischen Sprache, Geschichte und Kultur

en koon friisk
en kan friisk
en kon friisk
en kuon friisk

Aus der Ausgabe Mai 2004

In der 9. Ausgabe von en koon friisk (eine Kanne Friesisch) werden unter anderem die unterschiedlichen Gehweisen von Personen näher beleuchtet.


1. Friesische "Gangarten"

Das "Wonnemonat" Mai lädt wohl jeden ein zum Spazierengehen, und das tut jeder auf seine ganz eigene Weise. Das Friesische bietet vielfältige Ausdrücke für die unterschiedlichsten "Gangarten". Wenn jemand langsam dahergeht und sich dabei umguckt, dann (fer.) as hi ütj tu schauin. Wer beim Gehen mit seinen Armen schlenkert, der (sölr.) danglet die Straße entlang, und falls diese Person auch noch sehr dünn ist, dann (fer.) rangelt derjenige.

Wer breitbeinig geht, der (fer.) ströödet üüs en ooftring kualew (... wie ein neugeborenes Kalb). Mit langen Schritten "geht" man nicht, sondern man (wirh.) stapet oder (fer.) strauset nach Hause. Sind die Schritte kurz und man hat es eilig, so nennt man es (fer.-öömr.) fartle. Wenn der Boden etwas nass ist, dann (fer.) tjasket man. Haben sich jedoch schon Pfützen und Schlamm gebildet, so ist wirh. sapse die richtige Art zu gehen.

Man kann natürlich auch auf Friesisch ganz einfach nur spazieren gehen, (hal.) koiere, (moor.) spånke, (wirh.) straage, aber leicht ist es nicht, denn wenn man dabei nur ein wenig steifbeinig oder gebeugt geht, dann ...

Weitere Ausdrücke dieser Art sind in allen friesischen Wörterbüchern zu finden.


2. Ja oder nein, das ist die Frage

Fragen können wir auf vielerlei Weise stellen, und häufig richtet sich die Art zu fragen danach, welche Antwort wir erwarten. Stellen wir eine Frage mit "was", "wer", "wann" usw., handelt es sich um eine so genannte Ergänzungsfrage. Sie kann nicht mit "ja" oder "nein" beantwortet werden.

Beispiel: Der Lehrer fragt: "Wer hat das getan?" und erwartet einen konkreten Namen als Antwort.

Der Lehrer könnte die Frage aber auch ohne Fragewort stellen: "Hat jemand von euch das getan?" Die Antwort lautet jetzt "ja" oder "nein", und erst danach könnte der Name des Übeltäters folgen. Eine solche Frage nennt man eine Entscheidungsfrage. Unter den Entscheidungsfragen gibt es solche, die dem Gegenüber schon die Antwort in den Mund legen. Bei diesen Fragen erwartet man, je nach Art der Formulierung, nur die Antwort "ja" oder "nein".

Frage ich also (sölr.) "Best dü ek fan Kairem?" (Kommst du nicht aus Keitum?), dann erwarte ich ein "ja" als Antwort. Das ändert sich auch nicht, wenn das "nicht" erst am Ende des Satzes auftaucht, wie in sölr. "Dü best fan Kairem, ek?" (Du kommst aus Keitum, nicht wahr?). Die erwartete Antwort bleibt "ja". Anders bei der Frage: "Dü best ek fan Kairem, of ?" (Du kommst nicht aus Keitum, oder ?) Hier erwartet man ein "nein".

Die sylterfriesischen Beispiele stimmen hier mit dem Deutschen überein. Ähnlich verhält es sich mit dem Föhrer und Amrumer Friesisch. Dort kann eine Frage, auf die ein "nein" erwartet wird, allerdings auch mit dem Wörtchen "huar" am Ende gestellt werden. "Hi kön wel ei kem, huar?" (Er kann wohl nicht kommen, oder?)

Etwas anders verhält es sich auf dem Festland: Fragen, in denen ein "ja" erwartet wird, enden wie auf den Inseln mit (wirh.-moor.) "ai" oder (ngoosh.) "äi". Fragen, bei denen mit einem "nein" gerechnet wird, enden dagegen mit "uk". "Ai" wird also benutzt in Sätzen wie (wirh.) Dat poaset dach, ai?" (Es stimmt doch, nicht wahr?), "uk" dagegen in Sätzen wie wirh. Dat poaset dach ai, uk? (Das stimmt doch nicht, oder?).

Bleiben zum Schluss nur noch zwei Fragen, die eigentlich beide dasselbe bedeuten:

(Moor.) "Dåt wus duch lacht tu begripen, ai?" und "Dåt wus duch ai sü slam, uk?" Der ersten Frage sollten Sie zustimmen, die zweite verneinen, es sei denn, Sie möchten dem widersprechen. Diese Möglichkeit gibt es natürlich auch.

sölr. jaa/naan; fer.-öömr. jaa, jä/naan, nee; hal. djoa/neä; wirh. ja/noan; moor. jåå/nåån; ngoosh. ja/naan; halifr. jao/naon

3. Niebüll – eine friesische Stadt

In Zusammenarbeit mit dem Nordfriisk Instituut findet vom 8. Mai bis zum 4. Juni findet in Niebüll eine Veranstaltungsreihe statt, die die friesische Sprache sowie die nordfriesische Geschichte und Kultur in ihrer Bedeutung für die Stadt Niebüll zum Thema hat. Neben Ausstellungen, Vorträgen, Aufführungen und einem Kinderfest wird auch ein Wettbewerb veranstaltet. Gesucht wird das freundlichste friesischsprachige Verkaufspersonal in Niebüll. Wenn Sie in nächster Zeit in Niebüll freundlich von jemandem bedient werden, der einen Wettbewerbs-Button trägt, dann kreuzen Sie bitte dessen Namen auf dem Teilnahmeschein an. Die Vordrucke werden überall in den Geschäften ausgelegt.


Abkürzungen:

sölr. = Sölring (Sylterfriesisch)
fer.-öömr. = Fering-Öömrang (Föhr-Amrumer Friesisch)
hal. = Halunder (Helgoländer Friesisch)
wirh. = Wiringhiirder freesk (Wiedingharder Friesisch)
moor. = Mooringer frasch (Mooringer Friesisch)
ngoosh. = Noordergooshiirder fräisch (Norder Goesharder Friesisch)
halifr. = Halifreesk (Halligfriesisch)


Redaktion dieser Ausgabe: Antje Arfsten , Adeline Petersen

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