Beschreibung und Geschichte Jevers

Jever liegt im nordwestlichen Winkel des Landes Niedersachsen und hat 13.500 Einwohner. Die Stadt ist Mittelzentrum und Sitz der Verwaltung des Landkreises Friesland. Jever liegt auf einer Anhöhe, die umgeben ist von der der flachen wangerländischen Marsch. Ein schmaler Geeststreifen verbindet die Stadt mit dem Ausläufer des oldenburgisch-ostfriesischen Geestrückens. Der Boden des Stadtgebietes besteht im Norden aus Marsch und kultivierten Niederungsmooren und im Süden auch aus höhergelegener sandiger und lehmiger Geest. Das eigentliche Gebiet der Stadt Jever - einschließlich der 1972 eingemeindeten Landgemeinde Cleverns-Sandel - umfaßt die Fläche von 41,83 qkm. Nach dem Stand vom 01. Januar 1999 wohnten im Jahr Jahrtausendwende 13.817 Personen in Jever davon 6.570 männliche und 7.247 weibliche Personen.

Jever blickt auf eine fast 1000jährige Geschichte zurück und zählt zu den ältesten Orten städtischer Entwicklung in Niedersachsen. Schon vom 10. Jht. an wurden hier von Billungern Münzen geprägt, die ein weites Verbreitungsgebiet in Osteuropa fanden. Jever besaß im 11. Jht. das Stapelrecht und gehörte zu den bedeutendsten Handelsplätzen an der Nordseeküste. Seit Anfang des 12. Jhts. war es der alte Sendstuhl der Bremer Kirche in der friesischen Kirchenprovinz. Die frühe Zeit mit der friesischen Freiheit und iheren gewählten Richtern wurde nach 1400 durch eine Häuptlingsherrschaft abgelöst. Während der Häuptlingszeit entwickelte sich Jever zum Gauhauptort der Gaue Rüstringen, Östringen und Wangerland und wurde so die "Herrschaft Jever"

Die Herscher ab dem 15. Jahrhundert wechselten oft. Dies wird deutlich an den zahlreichen historisch wertvollen Baudenkmälern, Kunstwerken und Sehenswürdigkeiten, die in dieser Stadt zu sehen sind. Die letzten Häuptlingstochter, der Regentin Fräulein Maria (1500 - 1575), verlieh Jever im Jahre 1536 die Stadtrechte. Durch das Aussterben dieser bodenständigen Dynastie fiel Jever 1575 an die Grafschaft Oldenburg und wurde von dort 1667 an Anhalt-Zerbst vererbt. So kam es, daß 1793 Kaiserin Katharina II. von Rußland, die eine gebürtige Zerbster Prinzessin war, auch die Herrin von Jever wurde. Vier Jahre lang, an der Wende zum 19. Jahrhundert, stand Jever unter ihrer Oberhoheit. Nach der 1. Russischen Zeit erfolgte die Besetzung und Einverleibung durch Holland, dann kam es an Frankreich, es folgte ab 1813 die 2. Russische Zeit, bis schließliche 1818 das Jeverland vom russischen Zaren an das Haus Oldenburg zurückgegeben wurde.

Baulich und künstlerisch ausgeprägt wurde Jever in reichen Geschichte unter der Regentschaft von Fräulein Maria. Davon zeugen berühmte Baudenkmäler, Kunstwerke und Sehenswürdigkeiten. Das Schloss Jever, eine einstmals stark bewehrte Wasserburg aus der Zeit um 1400, prägt noch heute das Stadtbild, vor allem durch seinen weithin sichtbaren Turmaufsatz. Die 1560 - 1564 von niederländischen Künstlern geschnitzte Kassettendecke im Audienzsaal des Schlosse ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Kostbare Gobelins des 17. Jhts. erinnern die einst repräsentative Hofhaltung. Im Schloss ist heute ein Museum untergebracht, das 1886 als Heimatmuseum begründet wurde und mit wertvollen Schätzen ausgestattet ist. Weitere kulturhistorische Sehenswürdigkeiten sind das Rathaus mit Renaissancegiebel (1609) und das Amtsgericht (1703). Ein herausragendes Zeugnis niederländischer Baukunst besteht im Renaissance-Denkmal (1561 - 1564), das die Regentin Fräulein Maria für ihren Vater, Edo Wiemken d. J. im Chor der Stadtkirche errichten ließ.

Der Schlosspark mit seinem jahrhundertealten Baumbestand und die schönen Graft- und Grünanlagen, welche die Altstadt mit ihren idyllischen Winkeln und Gassen reizvoll umgeben, laden zu erholsamen Spaziergängen ein Durch das tägliche Marienläuten, das Marien-Denkmal und das Mariengymnasium wird ihr Andenken heute noch in Ehren gehalten. Die Verbindungen, die früher unter der anhaltinischen Herrschaft bestanden hatten, wurden im Jahre 1990 durch die Partnerschaft mit der Stadt Zerbst wieder aufgenommen.

Jever ist heute Kreisstadt des "Landkreises Friesland" und zentraler touristischer Ausgangsort zu den nahegelegenen Küstenbädern und zu ostfriesischen Inseln. Ein Tidebus bringt täglich von Jever aus die Besucher von Wangerooge zum Schiffanleger nach Harlesiel. Für Sport und Spaß gibt viele Einrichtungen, von der Wasserrutsche im beheizbaren Freibad, über Minigolf bis hin zu den Tennis- und Reitanlagen. Auch das an die Stadt angrenzende Moorland und der Forst Upjever sind Paradiese für Fußgänger und Wanderer. Das umgebende Marschengebiet ist ideal für Radfahrer. (hjh)

Stand: 21. August 2000


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